Die Geschichte der Dampfbagger

Um größere Erdmassen bewegen zu können, war in der Geschichte der Menschheit, der Mensch mit seinen Armen und Händen der Urahne aller Bagger. Ausgerüstet mit Hacke und Schaufel konnte so nur unter Einsatz von tausenden von Helfern größere Erdbewegungen verwirklicht werden. Bereits im 17. Jahrhundert gab es Grabmaschinen, die mit Pferdekraft Erdmassen bewegen konnten. Jedoch erst mit Erfindung der Dampfmaschine war es möglich eine kompakte Kraftquelle als Antrieb zu nutzen.

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Im Jahre 1835 wurde in Amerika der erste Dampfbagger von einem Bauunternehmer Namens Otis entworfen und gebaut. Der etwa 8 Tonnen schwere Bagger war auf Schienen gebunden und konnte nur um 180° schwenken. Dieser Bagger mit etwa 0,5 cbm Schaufelinhalt ersetzte ca. 80 Arbeiter.

Schnell stieß diese Idee auch in Europa auf großes Interesse. Und so wurde im Jahr 1880 in England der erste um 360° schwenkende Bagger gebaut. Um 1900 wuchsen die Dampfbagger und erreichten bereits ein Gewicht von über 100 Tonnen. Die große Ära der Dampfbagger war von 1880 bis 1930. Dann kam der Elektromotor bzw. der Dieselmotor und damit eine Antriebsquelle, die wesentlich weniger Betriebsaufwand benötigten. Es existieren weltweit nur noch wenige Dampfbagger, wobei von denen nur ein paar funktionsfähig sind.

 

 

Der letzte original erhaltene Menck Dampfbagger

 

Modellreihe 1921- 1933

 

Baujahr: 1927

Gewicht: 50-55 Tonnen

Leistung: Dampfnmaschine 90 PS / 6 Zylinder

Schaufelinhalt: 1,00 cbm

Stückzahl: 365 Model 4

 

Dieser Dampfbagger wurde als erster Universalbagger gebaut.

Das heißt, er konnte mit Tief- oder Hochlöffel, Greifer oder Schleppschaufel ausgerüstet werden. Da es zu jener Zeit noch keine Schweißtechnik gab, wurde der Bagger komplett geschraubt und genietet. Der Bagger war in Dossenheim bei Heidelberg im Porphyrsteinbruch der Firma Vatter im Einsatz, um gesprengtes Gestein auf Loren zu laden.

Menck-Bagger

Im Jahr 1927 wurden 4 Menck Dampfbagger M4 gekauft, der letzte war bis 1950 in Betrieb. Es waren drei Arbeiter notwendig, um mit den Baggern arbeiten zu können. Der Fahrer bediente den Bagger, der Heizer sorgte für genügend Dampfdruck und der Schmierer fettete die Lager und holte Wasser und Kohlen für die Dampfmaschine. Der Steinbruch wurde 2003 in der 3. Generation geschlossen. Bis 2005 stand der Bagger unter Denkmalschutz. Erst mit Aufhebung aller Besitzrechte und durch zu hohe Instandhaltungskosten konnte der Bagger in den Monsterbaggerpark umziehen.

MenckBagger

 

 

Arbeitsumgebung eines Dampfbaggers

 

Die ersten Dampfbagger wurden auf Großbaustellen oder in der Rohstoffgewinnung eingesetzt. Dabei gehörten zum Dampfbagger die Eisenbahn, wie zum Formel 1-Wagen die Rennstrecke. Der gesprengte Fels konnte mittels Dampfbagger geladen werden, jedoch gab es für den Abtransport des Materiels im 19. Jahrhundert noch keine geeigneten Fahrzeuge. Da sich die allerersten Bagger auf Schienen fortbewegten, lag es nahe, mittels Wagons das Gestein zu transportieren.

 

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Schnell entwickelten sich die ersten Mulden. Um das Material möglichst einfach zu entleeren, wurden die Mulden kuppbar gebaut. So entstanden die ersten "Muldenkipper", auch Loren genannt. Am Anfang noch mit Menschen oder Pferdekraft bewegt, wurde später, bei immer größer werdenden Loren, die Dampfeisenbahn verwendet.

Erst nach dem 2. Weltkrieg, als die ersten größeren Muldenkipper mit Luftreifen aufkamen, verdrängten diese die Eisenbahnloren. In den heutigen modernen Steinbrüchen gibt es keine "Muldenkipper" auf Schienen mehr.

 

Menck-Bagger